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Weltbild des 21. Jahrhunderts?
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„Glauben und Wissen ... sind ... wie Wolf und Schaaf in einem Käfig; und zwar ist das Wissen der Wolf, der den Nachbar aufzufressen droht.“
 
Arthur Schopenhauer (1788-1860), deutscher Philosoph
(Parerga und Paralipomena, II, Kapitel 15: Ueber Religion, § 181: Rationalismus, 416-418. Zit. nach Joseph Welter, ARTHUR SCHOPENHAUER in Karlheinz Deschner (Hg.), Das Christentum im Urteil seiner Gegner, Verlag Max Huber 1986, S. 170)
 
Schopenhauer wirkte im 19. Jahrhundert, also einer Epoche, in der die Naturwissenschaften durch die Industrialisierung vorangetrieben wurden und allmählich auf Hochtouren kamen. Damals entstand das neuzeitliche Weltbild, das von den Gesetzen der Kausalität und des Mechanismus geprägt war. Für Gott schien in diesem Weltbild kein Platz mehr zu sein.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Quantentheorie entwickelt, durch die das neuzeitliche Weltbild erhebliche Risse und Sprünge bekam. Wir können heute gar nicht mehr sagen, was Materie eigentlich ist (können Sie sich einen Granitfelsen als elektromagnetische Welle vorstellen?) und welches Ereignis unter Einwirkung welcher Kräfte möglich ist oder nicht (Wahrscheinlichkeitswerte statt exakter Messwerte). Im Licht dieser Erkenntnisse des 20. Jahrhunderts ist Gott sehr wohl denkbar, der die Ereignisse trotz Quantenchaos steuert und ihnen einen Sinn gibt.
Der Aussage Schopenhauers, eines Philosophen des 19. Jahrhunderts, möchte ich noch einen Ausspruch von William D. Phillips, einem Nobelpreisträger für Physik und einem Wissenschaftler des 21. Jahrhunderts, gegenüberstellen: „Glaube und Naturwissenschaft sind keine unvereinbaren Gegensätze. Gott ist der Ursprung von beiden.“
Immer mehr Naturwissenschaftler gelangen heute zu dieser Einsicht. Der Wolf in Schopenhauers Ausspruch hat offensichtlich keinen Appetit mehr auf seinen Nachbar.