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Reale Mächte
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„Nun ist alle Religion nichts andres als die phantastische Widerspiegelung, in den Köpfen der Menschen, derjenigen äußern Mächte, die ihr alltägliches Dasein beherrschen, eine Widerspiegelung, in der die irdischen Mächte die Form von überirdischen annehmen.“
 
Friedrich Engels (1820-1895), deutscher Sozialist und Schriftsteller
(Anti-Dühring, Karl Marx, Friedrich Engels, Werke, Berlin 1956ff, Bd. 20, S. 294f. Zit. nach Walther Müller-Jentsch, FRIEDRICH ENGELS in Karlheinz Deschner (Hg.), Das Christentum im Urteil seiner Gegner, Verlag Max Huber 1986, S. 316)
 
Es gibt heute kaum noch atheistische Wissenschaftler, die bestreiten, dass Jesus Christus eine historische Person ist, dass er also auf der Erde gelebt hat.
Von Beginn seines Wirkens traf er auf Anhänger seiner Lehre aber auch auf Gegner. Es waren die Vertreter der geistlichen Aristokratie Israels, der Pharisäer und Sadduzäer, die ihn bekämpften und schließlich der römischen Besatzungsmacht auslieferten, die ihn tötete.
Jesus war Gott und Mensch zugleich. Er war der einzige Mensch, der nie gesündigt hat. Er war also auf der Erde der Vertreter des Guten. Dann waren diejenigen, die diesen unschuldigen Jesus folterten und grausam töteten, die Ausführenden des Bösen.
Wir haben also zwei Kräfte kennengelernt, die zu Lebzeiten einer historischen Persönlichkeit gewirkt haben: Jesus als Gottes Sohn auf Erden, den Vertreter der guten Macht, und Satan, den Vertreter des Bösen, der Menschen dazu anstiftete, einen Unschuldigen zu töten.
Was Engels die Religion nennt, nenne ich in diesem Fall den Glauben. Jesus als Vertreter einer überirdischen Macht brauchte also erst gar nicht von Menschen erfunden zu werden, weil er nachweislich auf der Erde gelebt hat. Damit wäre der erste Teil der Behauptung von Engels schon einmal widerlegt.
An diesem Beispiel aus einer geschichtlichen Epoche der Menschheit sehen wir also, dass Menschen im Einflussbereich Gottes oder des Satans stehen, dass sie vor die Wahl gestellt werden, den Willen einer dieser beiden überirdischen Mächte auszuführen, dass sie die Worte Jesu und der Pharisäer reflektieren und dadurch schließlich zu einem Entschluss und zu einer Tat kommen. Riefen die einfachen Leute Jesus noch „Hosianna“ zu, als er auf einem Esel in Jerusalem einzog, so schrieen sie wenige Tage später „Kreuzige ihn!“.
Wir sehen an diesem Beispiel, wie die Menschen von den Aufforderungen der durchaus realen überirdischen Mächte förmlich hin- und hergerissen werden, bis eine dieser Mächte schließlich in den Herzen dieser Menschen siegt, sodass sie ganz bewusst zur Tat schreiten.
Es gibt im Falle des christlichen Glaubens also keine phantastischen Figuren – es gibt reale personenbegabte Wesen wie Gott und Teufel – und diese überirdischen Protagonisten spiegeln nicht das alltägliche Dasein der Menschen wieder, sondern die Vorstellungen und Handlungen sind von den Äußerungen dieser überirdischen Wesen geprägt, spiegeln diese wider. Damit ist auch der zweite Teil der Behauptung von Engels widerlegt.
Sind wir uns dessen bewusst, wie Gott und sein Widersacher täglich zu uns sprechen, egal auf welche Weise auch immer? Sind wir uns dessen bewusst, dass wir durch unser Verhalten auf Schritt und Tritt die Wünsche des einen oder anderen erfüllen?